Bier wird in Pilsen sozusagen seit der Stadtgründung gebraut. Erste schriftliche Aufzeichnungen mit brauereiähnlichem Charakter tauchen bereits im Jahr 1307 auf. Es handelt sich um ein Testament, in welchem Wolfram Zwinilinger seine Brauerei und Mälzerei der Kirche des hl. Bartholomäus vererbt.
Später wurde das Bier dann nur noch in Häusern gebraut, welchen König Wenzel II. das Braurecht verliehen hatte. Im 14. Jahrhundert besaßen dieses Privileg also nur die Hauseigentümer innerhalb der Stadtmauer. Da das Bierbrauen zu den freien bürgerlichen Berufen gehörte, war es in keiner Innung geregelt. Aufgrund der Tatsache, dass das Braurecht insgesamt 260 Stadtbürgern verliehen wurde, gab es vielfältige Produktionstechnologien sowie verschiedenartige Zutaten, was wiederum große Unterschiede bezüglich der Bierqualität zur Folge hatte.
Zu einem historischen Wendepunkt in der gesamten Biergeschichte kam es im Jahr 1838, als vor dem Rathaus 36 Hektoliter Bier von schlechter Qualität weggeschüttet werden mussten.
Diese unglückselige Begebenheit hatte eine derart große Wirkung auf das brauberechtigte Bürgertum, dass man sich entschied, eine neue moderne Brauerei zu errichten, um für immer die Produktion vom Pilsner Bier von hoher Qualität gewährleisten zu können. Mit dem Bau der Brauerei wurde der Bauherr Martin Stelzer betraut, der hier sehr gut seine vielfältigen Erfahrungen umsetzen konnte, die er sich bei seinen Auslandsreisen in Brauereien angeeignet hatte. Bei einem Besuch in Bayern machte er Bekanntschaft mit dem genialen, aber auch eigenartigen Braumeister Josef Groll. Er überzeugte ihn, dass er mit ihm nach Böhmen zurückging, um in der neuen Brauerei Bier nach der neuen Methode der Untergärung zu brauen.
Groll erfüllte seine Aufgabe vortrefflich und am 5. Oktober 1842 braute er das erste untergärige helle Lagerbier, welches zum Urtyp aller anderen hellen Biere wurde. In Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag veranstaltet die Brauerei alljährlich das sog. Pilsner Fest.
Durch die Produktion eines völlig neuen Lagerbiers von unverwechselbarem Geschmack und Qualität wurde Pilsen bald zur Bierweltmetropole. Die Vorliebe für das „Pilsner“ veranlasste allerdings die anderen Brauereien zu umfangreichen Nachahmungsversuchen. Die einfachste Bestrebung bezüglich der Nachahmung des Pilsner Urquells bestand darin, dass man sich denselben Namen zu eigen machte. Es kamen Biersorten mit den Bezeichnungen Pils, Pilsner oder Pilsener, deren Qualität und sensuelle Eigenschaften den guten Ruf unseres echten Pilsner Biers zunichtemachten. Damit es nicht zu Verwechslungen mit anderen Biersorten kam und damit offensichtlich war, dass nur das Bier dieser Marke das älteste und einzig echte Pilsner Bier ist, wurde im Jahr 1898 das geschützte Warenzeichen „Pilsner Urquell“ erfunden.
Den Erfolg des Pilsner Biers und die Prosperität der Brauerei konnte nichts aufhalten und die Marke Pilsner Urquell wurde bald auf der ganzen Welt zum bekanntesten Synonym für Qualität.
Virtuelle Besichtigungen |
Veröffentlicht : 16.9.2008 , Martin Pecuch
Nächste Veranstaltung